Donnerstag, 18. März 2021

Speziesismus

 Was bedeutet Speziesismus genau?

Genau wie Sexismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung ist auch Speziesismus ein diskriminierendes Denkmuster. Speziesismus beruht auf der Annahme, der Mensch sei anderen Arten überlegen und hätte daher das Recht, diese auszubeuten, zu konsumieren und Profit aus ihnen zu ziehen.
Damit rechtfertigt der Mensch, dass andere fühlende Lebewesen als Forschungsobjekte, Bekleidungsmaterialien, Spielzeuge oder sogar Nahrungsmittel betrachtet werden – und das, obwohl diese Lebewesen genau wie wir Schmerz, Hunger, Angst, Durst, Liebe, Freude und Einsamkeit empfinden.
Alle Lebewesen – unabhängig von unseren Unterschieden – haben es verdient, respektiert und gut behandelt zu werden. Es ist daher Zeit, Speziesismus abzulehnen.
(c) PETA

Petitionen März 2021

 




Montag, 23. November 2020

Der aktuelle Stand der Wissenschaft: Schuppentiere und Sars-CoV-2

Seit Beginn der Pandemie sind unterschiedliche Studienergebnisse erschienen, die – ausgehend vom genetischen Schlüssel von Sars-CoV-2 – Übereinstimmungen zum Erbgut tierischer Coronaviren suchten, um den Übertragungsweg des Virus erklären zu können. Worin sich die Wissenschaft einig ist, ist der bereits erwähnte, sehr wahrscheinlich tierische Ursprung des Virus. Aber weitere gesicherte Erkenntnisse gibt es bis dato nicht: Vermutlich sind es Fledermäuse, die die ursprüngliche Version des Virus in sich tragen. Welche Fledermausart genau, steht allerdings genauso wenig fest wie der weitere Weg. Ist das Virus direkt von einer Fledermaus auf den Menschen übergesprungen oder benötigte es ein Säugetier als Brücke? Bisher unklar.

Wie und warum kamen die Schuppentiere ins Spiel?

Anzumerken ist zunächst, dass Coronaviren im Tierreich insgesamt weit verbreitet und sich untereinander recht ähnlich sind. Einige Studien fanden nun auch in Schuppentieren Coronaviren, die in bestimmten Bereichen eine Ähnlichkeit zu Sars-CoV-2 aufweisen – dies war der Auslöser für die breite mediale Berichterstattung. Bei der Betrachtung der vorliegenden Daten sind führende Wissenschaftler*innen wie u.a. Prof. Christian Drosten von der Berliner Charité aber zu der Erkenntnis gelangt, dass es trotzdem weiterhin nicht ausreichend Belege für eine Beteiligung der Schuppentiere an der Entstehung von Sars-CoV-2 gäbe. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich die Coronaviren in Schuppentieren und anderen Tierarten unabhängig von der aktuellen Sars-Cov-2-Pandemie entwickelt haben – und nur bestimmte Ähnlichkeiten aufweisen.

Schuppentiere sind damit zwar nicht zu 100 Prozent als Virus-Zwischenwirt auszuschließen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie an der Entstehung des Virus beteiligt sind, ist allerdings nach bisheriger Datenlage deutlich geringer als die öffentliche Aufmerksamkeit den Anschein erwecken mag. Endgültige Erkenntnisse über den Ursprung der Corona-Pandemie wird es wie bei der SARS-Epidemie 2002/2003 wohl erst nach einigen Jahren und vielen dutzend weiteren Studien geben können. 

Die große Öffentlichkeit für das Tier ist wichtig – und war bisher nur schwer zu erreichen. In der Vergangenheit erfuhren Schuppentiere vor allem durch den illegalen Wildtierhandel unrühmliche Bekanntheit, durch den sie zu den am meisten gehandelten Säugetieren der Welt gelten. In Ländern wie China und Vietnam werden ihre Schuppen in der traditionellen Medizin verwendet und ihr Fleisch ist für den menschlichen Verzehr begehrt. Eine Übertragung gefährlicher Viren auf einem der dortigen Wildtiermärkte, wo der Kontakt zwischen Wildtier und Mensch leider vielfach nicht vermieden wird, wäre also theoretisch nicht verwunderlich.

Welche Folgen hat der irrtümliche Verdacht, Schuppentiere seien Überträger des Virus, auf den Handel? Führt er dazu, dass auch Wilderer und Konsument*innen künftig lieber einen Bogen um die Tiere machen? Und werden jetzt mehr und mehr Staaten den Handel und Verzehr von Schuppentieren verbieten? Oder werden die Tiere durch die Pandemie stattdessen noch gnadenloser gejagt, zum Beispiel, weil die Krise arme Bevölkerungsgruppen in die Wilderei treibt?

All diese Fragen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht beantworten, bedürfen aber dringend unserer Aufmerksamkeit. Denn Entwicklungen in den besonders betroffenen Ländern lassen eine vorsichtige erste Einschätzung zu:

In China, dem Land, in dem SARS-CoV-2 zuerst aufgetreten ist und das als Dreh- und Angelpunkt der Nachfrage für Schuppentierprodukte in Asien gilt, ist im Februar ein Gesetz erlassen worden, das verbietet, Wildtiere zu handeln und zu verspeisen. Anfang Juni wurden Schuppentiere außerdem in die höchste Schutzkategorie für Wildtiere aufgenommen und ihre Schuppen als Heilmittel aus dem offiziellen Arzneibuch des Landes gestrichen, was ein Verbot für die Nutzung in der traditionellen Medizin bedeutet. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen jedoch, dass die Freude über solche Maßnahmen noch gehemmt sein sollte. Denn die Vielzahl sich zum Teil widersprechender Gesetze auf staatlicher, regionaler und lokaler Ebene bot bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Schlupflöcher für den Handel oder Verzehr von Schuppentieren. Es bleibt zu hoffen, dass diese angesichts der Corona-Pandemie nun geschlossen und die neuen Gesetze im Alltag durchgesetzt werden.

(c)Welttierschutzgesellschaft e.V.






Freitag, 20. Dezember 2019

Amazonien brennt wegen Fleischkonsum

Nutztiere werden mit Soja gefüttert – und 60 Prozent davon führt die Schweiz aus Brasilien ein. 150 000 Tonnen sind es jedes Jahr. Jedes Jahr landen zudem rund 470 Tonnen brasilianisches Rindfleisch auf unseren Tellern.

Brasiliens Regenwälder sind zum Spielball der Agrarkonzerne geworden. Wo heute die Feuer wüten, weiden morgen Rinder. Damit sind auch die Konsumenten in Europa für die Abholzung des Amazonasgebiets mitverantwortlich.
Die Bilder vom brennenden Regenwald in Brasilien lösen auf der ganzen Welt Betroffenheit aus. Zwar wüten die Feuer Tausende Kilometer entfernt, dennoch hat die Katastrophe auf der anderen Seite des Atlantiks auch mit dem Konsumverhalten in Europa zu tun. Vor allem der Heisshunger auf saftige Steaks und herzhafte Koteletts befeuert die Abholzung und Brandrodung grosser Flächen im Amazonasgebiet.
«Natürlich hat auch unser Handeln viel mit dem Verlust des Regenwaldes zu tun», sagt der Professor für Welternährungswirtschaft an der deutschen Universität Göttingen, Matin Qaim. «Zum Beispiel importieren wir grosse Mengen Soja als Futtermittel für unsere Rinder und Schweine, und der steigende Sojaanbau trägt in Brasilien mit zur Regenwaldrodung bei.»    

Das Amazonasgebiet ist ein faszinierendes Ökosystem und die grüne Lunge der Welt, aber eben auch ein gigantischer Ressourcenschatz, der Begehrlichkeiten weckt: Im Regenwald lässt sich gutes Geld verdienen mit Rindfleisch und Soja, Energie und Gold. Laut einer Studie der Weltbank können gerade Landwirte im Amazonasgebiet deutlich profitabler wirtschaften als in anderen Regionen.

Fleischproduktion explodiert   

Nach Einschätzung von Umweltschützern haben Farmer die jüngsten Brände im Amazonasgebiet gelegt, um neue Weideflächen für ihre Viehherden oder Felder für den Sojaanbau zu schaffen. Üblicherweise werden bereits gerodete Waldflächen angezündet, um das Unterholz und die Baumstümpfe zu verbrennen, wie die Naturschutzorganisation Greenpeace erklärt. Bolsonaro habe aber ein politisches Klima geschaffen, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen, sagen Umweltschützer. Weil die Regenzeit nicht begonnen hat, breiten sich die Brände immer weiter aus.  
Die Welternährungsorganisation FAO macht die Umwandlung in Weideland für 80 Prozent der Verluste an Regenwald in der Amazonasregion verantwortlich. In den vergangenen Jahren ist die Fleischproduktion in Brasilien explodiert – rund 200 Millionen Rinder leben heute in dem grössten Land Südamerikas. Die Exporte stiegen laut einer Analyse der Organisation Foodwatch in den vergangenen 14 Jahren um mehr als 700 Prozent. Heute ist Brasilien der grösste Rindfleischexporteur der Welt.    

Was auf den riesigen Weiden und Feldern in Brasilien angebaut wird, landet auch in Europa auf den Tellern. Nach Angaben der EU-Kommission ist Brasilien der grösste Exporteur landwirtschaftlicher Produkte in die Europäische Union. Im vergangenen Jahr verkaufte Brasilien Agrarerzeugnisse im Wert von 14,5 Milliarden Euro an die EU. Durch das kürzlich vereinbarte Freihandelsabkommen zwischen dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur und der Europäischen Union könnten es in Zukunft sogar noch mehr werden.

Mercosur als weiterer Treiber   

«Die Europäische Union macht sich mit ihrer Unterschrift unter das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten an den verheerenden Waldbränden mitschuldig», sagt der Brasilien-Referent des katholischen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat aus Deutschland, Klemens Paffhausen. «Die versprochenen niedrigeren Zölle auf Importe von Rindfleisch und Soja aus Südamerika führen zu mehr Abholzung und mehr Anbauflächen.» 

Frankreich und Irland drohen nun, das Mercosur-Abkommen angesichts der massiven Abholzung im brasilianischen Regenwald zu blockieren. Auch die EU-Kommission will über den Mercosur-Deal Druck auf die Regierung des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro ausüben.  
Allein im August wurden Satellitendaten zufolge 1700 Quadratkilometer Amazonas-Regenwald vernichtet – mehr als dreimal so viel wie im August 2018. Die Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahresende insgesamt 10’000 Quadratkilometer Wald zerstört werden.

Ausweitung der Anbaufläche

Der ultrarechte brasilianische Staatspräsident Jair Bolsonaro ist eng mit der Agrarlobby verbündet und hat Umweltschutzauflagen gelockert. Brasilianische Bauern durften zuletzt nicht mehr fünf, sondern 20 Hektar Fläche abbrennen. Die Behörden, die illegale Rodungen verhindern sollen, wurden unter Bolsonaro geschwächt. Immer grössere Waldflächen werden daher gerodet und anschliessend abgebrannt, um Platz für die Landwirtschaft und Viehzucht zu erhalten.

Petition

Brände sollen noch zunehmen

Von Januar bis Ende August wurden in Brasilien nach Angaben von Inpe insgesamt 88’816 Feuer registriert, davon mehr als die Hälfte im Amazonasbecken. Das ist die höchste Zahl seit 2010, als im gesamten Jahr mehr als 132’000 Waldbrände gezählt worden waren. Experten befürchten, dass die Zahl der Brände im Amazonasgebiet in diesem Monat noch deutlich zunehmen wird. Demnach liegt der Höhepunkt der Rodungen im Juli, die der anschliessenden Brände im September.

Preise müssen steigen   

Noch viel wichtiger ist das Geschäft mit Soja. Mittlerweile ist Brasilien der zweitgrösste Produzent der grünen Bohne. Zuletzt wurden in dem südamerikanischen Land 117 Millionen Tonnen Sojabohnen geerntet. Auch hier geht der Löwenanteil nach China – und es könnten wegen des Handelskonflikts zwischen Peking und Washington noch mehr werden.  
Um etwas gegen die Abholzung von Regenwald für neue Acker- oder Weideflächen zu tun, sollten nach Ansicht des Klimaforschers Richard Fuchs vom Karlsruher Institut für Technologie die Konsumenten zur Kasse gebeten werden. «Der Fleischkonsum muss sinken», sagt er kürzlich der Nachrichtenagentur DPA. «Die EU-Staaten könnten Fleisch von Tieren, die mit Soja aus Regenwaldgebieten gemästet werden, pauschal besteuern. Damit würden die ökologischen Folgekosten mit eingepreist

Quelle: IG Wild beim Wild